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Polypharmazie

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Interaktionen

Pflegebedürftige Menschen haben oft eine Vielzahl allgemeinmedizinischer Erkrankungen, die eine Vielzahl an verordneten Medikamenten und das Risiko unerwünschter Arzneimittelwirkungen (UAW) und Interaktionen mit sich bringen.
Um auch unter Zeitdruck in der Praxis nicht den Überblick zu verlieren, wurden aus den Erfahrungen des Curriculums Geriatrische Zahnheilkunde am ZFZ Stuttgart in Zusammenarbeit mit dem AKABe Polypharmazielisten erarbeitet.

Die Ausarbeitung "Polypharmazie & Multimorbidität" ist so aufgebaut, dass sich unter Teil 1 "Allgemeine Grundsätze" finden. In Teil 2 "Geriatrische Erkrankungen und relevante Informationen für die zahnärztliche Behandlung" sind die häufigsten geriatrischen Allgemeinerkrankungen alphabetisch aufgeführt, mit den zahnärztlich relevanten Symptomen, zahnärztlichen Maßnahmen, allgemeinen Therapiemethoden, Medikamenten und Handelsnamen, zahnärzlich relevante Nebenwirkungen der Medikamente und sonstigen Anmerkungen. Teil 3 "Zahnärztliche Medikation und geriatrische Aspekte" fasst die zahnärztlich verordneten Medikamente nach Indikation und Wirkstoff, Dosis, Pharmadynamik und Pharmakokinetik, unerwünschten Arzneimittelwirkungen, Interaktionen und Kontraindikationen zusammen.


Medikamenten-Information für Zahnärzte - MIZ

Bedingt durch die Alterung der Bevölkerung ist der Zahnarzt in zunehmenden Maße mit Medikationsplänen der Patienten konfrontiert. Und die Patienten erwarten, dass der Zahnarzt in seiner Behandlung und bei der Verschreibung oder Anwendung pharmakologischer Wirkstoffe auf ihren Medikationsplan Rücksicht nimmt. MIZ - Medikamenten-Info für Zahnärzte ist ein Progamm, das dabei hilft, die Medikationspläne der Patienten ohne großen Aufwand beurteilen zu können.


Potenziell inadäquate Medikation (PIM)

Für einen schnellen Überblick, ob eine Medikation altersgerecht ist oder nicht, wurden im Laufe der Jahre unterschiedliche Listen erstellt. Diese Listen beschreiben potenziell inadäquate Medikation und werden aus diesem Grund auch als PIM-Listen bezeichnet. Die zwei wichtigsten Listen, die in Deutschland Anwendung finden, sind die sogenannte Priscus-Liste und die FORTA-Liste. Die Listen beschränken sich jedoch nicht allein auf die Beschreibung, welche Medikamente potenziell inadäquat für alte Menschen sind, sondern geben auch Begründungen, Therapie-Alternativen und weitere interessante Informationen.
 

Priscus-Liste 2010

Eine von Professorin Petra Thürmann geleitete Forschergruppe hat nach internationalen Literaturrecherchen und Sondierung des deutschen Marktes Arzneistoffe ausgewählt, die erstens relativ häufig verordnet werden und zweitens ein mögliches Risikopotenzial für ältere Menschen bergen. Das sind beispielsweise Medikamente, die das Sturzrisiko erhöhen oder die Wahrnehmung beeinträchtigen können. Das Ergebnis ist eine Liste von 83 Wirkstoffen, die bei Senioren nicht oder nur mit besonderer Vorsicht angewendet werden sollten. Die im Jahr 2010 veröffentlichte Aufstellung erhielt die Bezeichnung Priscus-Liste. Die Wissenschaftler haben sich aber nicht nur auf eine einfache Aufzählung von Wirkstoffnamen beschränkt, sondern auch die Anwendbarkeit in der ärztlichen Praxis analysiert. So enthält die Liste Hinweise auf Begleiterkrankungen, die die Gefahr beim Einsatz eines Wirkstoffs besonders erhöhen. Zu jeder der aufgeführten Substanzen werden darüber hinaus Therapiealternativen genannt, wobei auch nicht medikamentöse Optionen berücksichtigt werden. Schließlich werden konkrete Maßnahmen benannt, die es dem Arzt ermöglichen, das Risiko zu begrenzen, wenn sich die Anwendung eines Arzneimittels im konkreten Einzelfall doch nicht vermeiden lassen sollte. Hierzu gehören beispielsweise regelmäßige Kontrollen der Leber- oder der Nierenfunktion oder Beschränkungen der Dosierung oder der Therapiedauer. Die AOK stellt die Priscus-Liste für Ärzte kompakt auf zwei DIN-A4-Seiten aufbereitet kostenfrei zum Herunterladen bereit. (Textquelle und PDF-Link: Gesundheitspartner-Portal der AOK)
 

FORTA-Liste 2015 (aktualisiert 2018)

FORTA, "Fit fOR The Aged", ist ein Medikamentenklassifizierungssystem, das als klinisches Hilfsmittel zur Überwachung und Optimierung der medikamentösen Therapie älterer Patienten dienen soll. In der FORTA-Liste 2018 wurden 296 Substanzen bzw. Substanzklassen für 30 Indikationsbereiche, die älteren Patienten besonders häufig verordnet werden, in die Kategorien A bis D eingeordnet. Dabei fand der aktuelle Forschungsstand zur Eignung für ältere Patienten ebenso Berücksichtigung wie Nutzen-Risiko-Gesichtspunkte. Dieser innovative Ansatz zur Verbesserung der medikamentösen Therapie älterer Patienten wird derzeit im Bereich der Klinischen Pharmakologie an der Universität Heidelberg in Mannheim weiterentwickelt. Das FORTA-Projekt wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert (WE 1184/15-1). (Textquelle und PDF-Link: UMM - Universitätsklinikum Mannheim).

Hinweis: Die FORTA-Liste steht auch als APP für das Smartphone zur Verfügung.

 

 

 

Erstellt von: Dietmar Sorg, 12.10.2015

Aktualisiert von: Kerstin Sigle, 02.09.2020