Kooperation & Prävention

Das Thema Alters- und Behindertenzahnheilkunde hat aufgrund der demografischen Entwicklung in nur fünf Jahren Eingang in zahlreiche gesetzliche Regelungen gefunden.

 

Der erste Schritt erfolgte mit dem Versorgungsstrukturgesetz (in Kraft seit 01.01.2012). Seit dem 1. April 2013 wird der personelle, instrumentelle und zeitliche Mehraufwand in der zugehenden Betreuung bei einem definierten Kreis von Anspruchsberechtigten mit Zuschlägen pauschal zusätzlich honoriert.

 

Der zweite Schritt wurde 2014 mit dem Pflegeneuausrichtungsgesetz eingeleitet (in Kraft seit 01.01.2013). Die Rahmenvereinbarung zwischen der KZBV und dem GKV-Spitzenverband zur Umsetzung der gesetzlichen Regelungen nach § 119 b SGB V ist am 1. April 2014 in Kraft getreten. Zahnärztinnen und Zahnärzte haben seither die Möglichkeit, Kooperationsverträge mit stationären Pflegeeinrichtungen abzuschließen. Mit Abschluss eines Kooperationsvertrages mit vollstationären Pflegeeinrichtungen können Zuschläge für präventionsorientierte Leistungen wie die Erstellung von Mundhygieneplänen und Pflegeanleitungen abgerechnet werden. Zudem wird die Zusammenarbeit insgesamt strukturiert und koordiniert (z. B. kontrollorientierte Reihenuntersuchungen und Ansprechpartner).

 

Der dritte Schritt wurde im Rahmen des Versorgungsstärkungsgesetzes realisiert (in Kraft seit 23.07.2015). Seit dem 01. Juli 2018 sind präventionsorientierte Leistungen (Mundgesundheitsstatus, individueller Mundgesundheitsplan sowie Mundgesundheitsaufklärung) für alle Menschen mit Pflegegrad und für Menschen, die Eingliederungshilfe beziehen mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechenbar – unabhängig vom Ort der Leistungserbringung (Praxis, zu Hause, Pflegeeinrichtung) und auch ohne dass ein Kooperationsvertrag bestehen muss. Zudem kann für diese Menschen je Kalenderhalbjahr Zahnstein abgerechnet werden.

Für den Mundgesundheitsstatus, den individuellen Mundgesundheitsplan wurde das Formblatt des Mundhygieneplans aus den Kooperationsverträgen modifiziert – in dieser Form ist es nun auch im Kooperationsvertrag anzuwenden.

Für die Dokumentation des Pflegegrades/des Bezugs von Eingliederungshilfe hat die Kassenzahnärztliche Vereinigung Baden-Württemberg ein Formular entwickelt.

 

Kooperationsvertrag - praktische Umsetzung

Fragen zu den Kooperationsverträgen nach § 119 b Abs. 1 SGB V beantworten die Abrechnungsleiter/innen in den Bezirksdirektionen der KZV BW. Auf der Internetseite der KZV BW unter www.kzvbw.de findet sich die Rahmenvereinbarung nach § 119 b SGB V mit Anlagen und ein Muster-Kooperationsvertrag  ist unter Praxis/ Praxiswissen/ Abrechnung/ Abrechnungsinfos bzw. unter Praxis/ Praxiswissen/ Vertrag und Recht eingestellt. Der Kooperationsvertrag muss zur Genehmigung dem Kompetenzzentrum Abrechnung der KZV BW in Stuttgart übermittelt werden.

 

Zur Organisation der Reihenuntersuchung sowie nachfolgend der Erstellung des Mundgesundheitsstatus, des individuellen Mundhygieneplanes sowie der bewohnerspezifischen Mundgesundheitsaufklärung hat die Landeszahnärztekammer vielfältige Hilfsangebote erarbeitet. Dazu zählen Informationsflyer, Aufnahme- und Überleitungsbögen, der Mundhygieneplan (Pflegeampel), ein Dokumentationsblatt für Besuche und eine Abrechnungssynopse.


Ein Artikel, erschienen in „Der Freie Zahnarzt“ (Juni-Ausgabe 2016) und ein Informationsfilm auf dem LZK-YouTube-Kanal, der den Kooperationszahnarzt Torben Wenz bei seiner Arbeit im Pflegeheim begleitet, veranschaulichen die praktische Umsetzung der Kooperation und den Einsatz der beschriebenen Hilfsmittel.

 

 

 

Erstellt von: Dietmar Sorg, 30.09.2015

Aktualisiert von: Andrea Mader, 30.08.2018