
Ausgabe 29/2026
LZK
Ergebnisse der Vertreterversammlung
Ein Wechsel im Bundesgesundheitsministerium nur wenige Tage zuvor, ein Gesetz mit weitreichenden Auswirkungen auf den Berufsstand, der erste Besuch der Präsidentin der Bundeszahnärztekammer, die Verleihung zweier Verdienstmedaillen und die Änderung von sechs Satzungen: Selten trafen bei einer Vertreterversammlung der Landeszahnärztekammer so viele bedeutende Themen aufeinander.
Nach der Verleihung der Verdienstmedaillen rückte mit dem Vortrag der Präsidentin der Bundeszahnärztekammer, Dr. Romy Ermler, die Berufspolitik wieder in den Mittelpunkt. Sie skizzierte die aktuellen Herausforderungen für den Berufsstand, warnte vor drohenden Einschnitten und warb für einen geschlossenen Kurs: „Die Zukunft der Zahnmedizin gestalten wir nicht durch Abwarten, sondern nur durch Haltung und Handeln.“
Standespolitisches Statement
Mit einem ausdrücklichen Dank an seine Vorstandskolleginnen und -kollegen für die konstruktive Arbeit leitete LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert sein standespolitisches Statement ein. Den neuen Geschäftsführenden Vorstand der Bundeszahnärztekammer bezeichnete er als „Quantensprung“ und lobte insbesondere die „neue Qualität des Austauschs“.
Breiten Raum nahmen die Folgen des GKV-Beitragsstabilitätsgesetzes ein. Budgetierung, Festzuschusssenkung und Fachzahnarztvorbehalt seien massive Eingriffe in die zahnärztliche Versorgung. Mit Blick auf den Fachzahnarztvorbehalt berichtete Dr. Tomppert, der Vorstand habe sich bereits frühzeitig mit möglichen Konsequenzen für die Weiterbildungsordnung beschäftigt und denke über curriculare Strukturen nach.
Chancen sieht die LZK dagegen in der Neuauflage der grün-schwarzen Landesregierung. Im Zuge des geplanten Effizienzgesetzes wolle man die Praxisbegehungen auf den Prüfstand stellen.
Auch die Fortbildungslandschaft soll sich verändern. Auf seiner Klausurtagung habe der Vorstand ein gemeinsames Dach „Fortbildung Baden-Württemberg“ angedacht, das die beiden Fortbildungsinstitute der LZK und das FFZ der KZV BW zusammenführen soll. „Harte Einschnitte“ seien dabei unvermeidbar – offen sei lediglich, wie tief diese ausfallen würden.
Mit einem Blick in die Zukunft schloss Dr. Tomppert seine Ausführungen. Das neue körperschaftsübergreifende Projekt „Campus für Selbstverwaltung und Freiberuflichkeit“ solle die junge Generation für Freiberuflichkeit und Selbstverwaltung begeistern. „Es ist unsere Verpflichtung, die junge Generation mitzunehmen, um Freiberuflichkeit und Selbstverwaltung zu sichern.“
Aussprache
„Ministerin Warken hat eine Bombe auf die KFO geworfen.“ Mit diesem drastischen Bild eröffnete Dr. Thomas Miersch die Aussprache zum standespolitischen Statement von LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert. „Wir bekommen in der KFO Komplexgebühren zu einem eingedampften Preis“, kritisierte Dr. Miersch. In der aktuellen Debatte werde dieser Aspekt bislang nicht ausreichend berücksichtigt. Zugleich vermisse er eine klare Positionierung von BZÄK und KZBV: „Mir fehlt ein klares Statement seitens der BZÄK und der KZBV dazu.“ Die Abkehr von der Einzelleistungsvergütung stelle lediglich den ersten Schritt dar, „die KFO, wie wir sie heute kennen, wird es zukünftig nicht mehr geben, nicht zu der Qualität und nicht zu dem Preis!“
Dr. Mierschs Appell setzte den Ton für die weitere Aussprache. In den anschließenden Wortmeldungen wurde deutlich, dass die Delegierten die Pläne der Bundesregierung weit über die Kieferorthopädie hinaus als Gefahr für den gesamten Berufsstand bewerteten.
Anträge
Mit dem einstimmig verabschiedeten Antrag von Dr. Eva Hemberger, Dr. Florentine Carow, Dr. Norbert Struß und Dr. Eberhard Montigel gegen die Entwertung der zahnärztlichen Approbation setzten sie ein deutliches Zeichen. Zugleich machten sie deutlich, dass sie weitere Leistungskomplexe für zahnärztliche Therapien geschlossen ablehnen und den Berufsstand dagegen gemeinsam positionieren werden.
Neben dem Antrag gegen die Entwertung der zahnärztlichen Approbation fasste die Vertreterversammlung zwei weitere berufspolitische Beschlüsse. Einstimmig verabschiedeten die Delegierten einen Antrag zum Bürokratieabbau. Darin wird die Landesregierung aufgefordert, nicht anlassbezogene Praxisbegehungen kritisch zu überprüfen und bürokratische Dokumentations- und Nachweispflichten spürbar zu reduzieren. Zudem forderte die Vertreterversammlung BZÄK und Gesetzgeber auf, den Mutterschutz für selbstständige Zahnärztinnen so auszugestalten, dass er nicht zu einem faktischen Berufsverbot führt. Die Inanspruchnahme von Mutterschutzleistungen müsse freiwillig bleiben; zudem solle die Finanzierung nicht über ein klassisches Umlagesystem, sondern über ein alternatives Modell erfolgen.
Satzungsänderungen
Abschließend standen die Änderungen von sechs Satzungen auf der Tagesordnung. Dr. Eberhard Montigel, Vorsitzender des Satzungsausschusses, erläuterte die Anpassungen anhand übersichtlicher Synopsen. Die Vertreterversammlung stimmte den Änderungen der Notfalldienstordnung, Wahlordnung, Beitragsordnung, Meldeordnung, Satzung und Gebührenordnung zu.
In seinem Schlusswort zog LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert ein Fazit der intensiven Aussprache in der Versammlung. Angesichts der aktuellen gesundheitspolitischen Entwicklungen dürfe sich der Berufsstand nicht länger auf eine defensive Rolle beschränken. Er warb dafür, die berufspolitischen Interessen künftig offensiver zu vertreten und die Auswirkungen gesundheitspolitischer Entscheidungen klar zu benennen. „Kein Schmusekurs mehr mit der Politik“, lautete seine Forderung.
LZK
Verdienstmedaille für Axel Maag und Cäcilia Falk
Im Beisein des Ehrenpräsidenten Dr. Udo Lenke, erhielten der Direktor der Landeszahnärztekammer a. D., Axel Maag und die geschäftsführende Sekretärin a. D., Cäcilia Falk bei der Vertreterversammlung der LZK BW am 25. Juli die Verdienstmedaille der Landeszahnärztekammer. Die Laudationes hielt der stv. Präsident Dr. Bert Bauder. LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert überreichte die Verdienstmedaillen an die beiden Geehrten. Minutenlanger stehender Applaus bildete den bewegenden Schlusspunkt der Ehrung.
"Das organisatorische Rückgrat der Geschäftsstelle, das Gedächtnis des Hauses, die gute Seele, die mit Gespür für das Wesentliche, Herzlichkeit und Geduld den Laden zusammengehalten hat“ – mit diesen Worten würdigte Vizepräsident Dr. Bert Bauder in seiner Laudatio das 35-jährige Wirken von Cäcilia Falk bei der Landeszahnärztekammer.
Berührend auch die Worte der Laudatio für Axel Maag. Mit einem tiefen Verständnis für den Berufsstand habe er die zahnärztliche Selbstverwaltung mit Herzblut gelebt und der Zahnärzteschaft mit seiner juristischen Kompetenz als „Simultanübersetzer“ den rechtlichen Rücken freigehalten, würdigte ihn Dr. Bert Bauder. Mit der Durchführung der ersten Online-Kammerwahl der Republik habe Axel Maag die LZK zudem in die digitale Moderne geführt. Noch prägender seien jedoch seine menschlichen Qualitäten gewesen: seine Loyalität, seine Verlässlichkeit und seine Professionalität, mit denen er die Kammer 33 Jahre lang – zunächst als Geschäftsführer, später als Direktor – mit sicherem Kompass begleitet habe.
LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert verlas den Urkundentext und überreichte Cäcilia Falk und Axel Maag die Verdienstmedaille der LZK BW. Den Dank im Namen beider Geehrten übernahm Axel Maag. Die Landeszahnärztekammer sei für ihn stets mehr als ein Arbeitgeber gewesen, seine Tätigkeit nicht Verpflichtung, sondern Berufung.
GESUNDHEITSPOLITIK
Landesregierung beschließt Maßnahmen zum Bürokratieabbau
Die Landesregierung setzt die Eckpunkte des Koalitionsvertrags zur Staatsmodernisierung konsequent um. Neben wichtigen Strukturentscheidungen wurde mit dem Beschluss zum Effizienzgesetz auch ein erster inhaltlicher Meilenstein erreicht. Die Modernisierung des Staatswesens ist ein zentrales Projekt dieser Legislaturperiode. Ziel ist es, unnötige Belastungen abzubauen. Das soll dort passieren, wo in den vergangenen Jahren der Versuch, alles zu regeln, zu übermäßiger Bürokratie geführt hat.
Mit dem neuen Effizienzgesetz laufen alle landesrechtlichen Berichts-, Dokumentations- und Aufbewahrungspflichten im Landesrecht spätestens Ende 2027 aus. Nur das, was wirklich notwendig ist, bleibt. Dazu zählt Europa- oder Bundesrecht, das vom Land nicht direkt beeinflusst werden kann. Dazu zählt ebenso die Gefahrenabwehr oder die Wahrung von Rechtssicherheit für Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger. Deshalb wird es auch zukünftig noch Berichts-, Dokumentations- und Aufbewahrungspflichten geben. Aber erstmals wird die Begründungspflicht für genau diese Pflichten umgedreht: Es muss nicht mehr begründet werden, dass eine Pflicht entfällt, sondern dass diese weiterhin erhalten wird.
Der Ministerpräsident dazu: „Das Effizienzgesetz ist viel mehr als ein Entlastungspaket. Es ist das Versprechen, dass jede nach 2027 verbleibende Berichts-, Dokumentations- und Aufbewahrungspflichten im Landesrecht notwendig ist. Und mit ‚notwendig‘ meine ich, dass glasklar dargelegt werden kann, dass diese Pflicht einen wirklichen Mehrwert bringt. Die Begründungspflicht liegt dabei immer bei der Stelle, die sich für die Pflicht einsetzt. Verstehen Sie mich nicht falsch: Verwaltung wird auch zukünftig Daten benötigen, sogar mehr denn je. Aber wir verändern die Denk- und Arbeitsweise der Behörden grundsätzlich: Keine Absicherung mehr für den Fall der Fälle, keine abgeschotteten Datenfriedhöfe, keine Doppelerhebungen bereits vorliegender Informationen. Die wirklich notwendigen Daten sollen laufen, nicht die Unternehmen, Bürgerinnen oder Bürger.“
BZÄK
BZÄK will konstruktiven Dialog mit BMG unter Linnemann fortsetzen
Die Bundeszahnärztekammer gratuliert Dr. Carsten Linnemann zur Übernahme des Amtes des Bundesministers für Gesundheit und wünscht ihm für die neue Aufgabe viel Erfolg und eine glückliche Hand. BZÄK-Präsidentin Dr. Romy Ermler MBA: „Das Gesundheitssystem zukunftsfest zu machen, ist die zentrale Aufgabe aller Akteure im Gesundheitswesen. Die Herausforderungen sind komplex und vielfältig, die BZÄK steht für einen konstruktiven Dialog mit dem neuen Gesundheitsminister über die notwendigen Reformprozesse gerne zu Verfügung. Aus Sicht der Zahnärzteschaft kommt es nun darauf an, die Eigenverantwortung zu stärken, die freiberuflichen Strukturen zu festigen, unnötige Bürokratie konsequent abzubauen und die Prävention als gesundheitspolitisches Leitprinzip weiter auszubauen. Dazu gehört auch, die wirtschaftliche Grundlage der Praxen zu sichern.“
Die BZÄK sieht dabei Schnittmengen mit Carsten Linnemann aus seiner Zeit als Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) sowie als CDU-Generalsekretär. Unter seiner Ägide hat die MIT u.a. Beschlüsse zum Bürokratieabbau, zu Patientenschutz und Qualitätssicherung sowie zum Wettbewerb im dualen Krankenversicherungssystem gefasst. Hieran möchte die BZÄK ihren Dialog anknüpfen. Bei knapper werdenden Ressourcen muss die Stärkung der Eigenverantwortung, wie sie in der Zahnmedizin bereits verankert ist, im Zentrum notwendiger Reformen stehen.
Zugleich dankt die Bundeszahnärztekammer Nina Warken für die offene Zusammenarbeit während ihrer Amtszeit als Bundesgesundheitsministerin. Sie hat in einer anspruchsvollen Phase Verantwortung übernommen und wichtige Reformdebatten angestoßen. Für ihre neue Aufgabe als Chefin des Bundeskanzleramtes wünscht die BZÄK ihr alles Gute, weiterhin viel Erfolg und setzt auf eine Fortsetzung des Dialogs auch in dieser neuen Funktion.
LZK & KZV & IZZ
Für das Wartezimmer: Neue Ausgabe von Patient aktuell
Die August-September-Ausgabe des Magazins „Patient aktuell“ ist bereits online abrufbar. Die gedruckte Ausgabe liegt dem ZBW 8-9/2026 bei und ist zur Auslage im Wartezimmer gedacht. Das „Patient aktuell“ liefert Patientinnen und Patienten stets aktuelle Informationen und wertvolle Tipps rund um die Mund- und Zahngesundheit. In der neuen Ausgabe sind folgende Themen enthalten: Verlockende Nikotinprodukte mit schädlicher Wirkung sowie zahlreiche Tipps, wie man den Ausstieg aus der Nikotinabhängigkeit schafft, Informationen zu den neuen Folgen des IZZ-Podcasts „Auf den Zahn gefühlt“, CMD-Verdacht bei Kopf-, Kiefer- und Nackenschmerzen sowie eine kurze Einführung in die Kieferorthopädie. Die Online-Version von kann im komfortablen Blättermodus gelesen werden.
Erstellt von: Andrea Mader, 27.07.2026
Aktualisiert von: Andrea Mader, 28.07.2026
